Informationen zur Malerei    
       
       
  "Die Triebfeder meines künstlerischen Schaffens ist die Neugierde auf das Fremde, Unbekannte, Ungewöhnliche, Skurrile, Geheimnisvolle, die Entdeckung von inneren und äußeren Bildern, von Zuständen die mich berühren, faszinieren, beeinflussen und die mit der eigenen Geschichte verknüpft sind."
       
 

In den teilweise großformatigen Arbeiten von Dagmar Winkler geht es oft um die Schönheit aber auch um die Verletzlichkeit der Natur, auch des Tieres (z.B. Libelle), um die Beziehung des Menschen zur Natur. Es geht um die Dinge des Menschen, die ihn umgeben, ihm etwas bedeuten, ihm nützen, ihn bereichern, ihn inspirieren, ihm Freude machen, ihn nicht loslassen.

Der Mensch kommt zwar in vielen Bildern direkt nicht vor, aber durch sein Wirken und durch die Auswirkung seines Handelns und Denkens ist er auf indirekte Weise gegenwärtig.
Manchmal hinterlässt er deutliche Spuren, wie z.B. ein Kleidungsstück, ein Buch, eine aufgeschnittene Frucht, ein Kuchenstück, eine Eisschale.
In den Bildern werden Ausschnitte der Natur dargestellt, bunt, schön, harmonisch, lebensfroh.
Bei näherer Betrachtung wird dieser erste Eindruck teilweise wieder aufgehoben. Menschen, Tiere, Gegenstände werden verfremdet, überdimensional vergrößert,verformt, stark vereinfacht oder scheinbar zur Nebensächlichkeit degradiert bzw. zur Wichtigkeit erhöht.
Die Relationen verändern sich. Neue Bilder schieben sich vor schon Vorhandenes, Vertrautes. Der Realitätsbezug wird in Frage gestellt. Märchenhaftes, Erzählerisches, Rätsehaftes, Symbolisches treten an seine Stelle. Der Betrachter wird zum schöpferischen Handeln verführt. Er assoziiert, er schafft für sich Sinnzusammenhänge und kann somit eine Beziehung zum Bild finden.

       
     
1. Landschaften - Erdbilder  
  Die Landschafts- und Erdbilder sind teilweise auf Reisen in Frankreich, Italien, Spanien, Holland, Belgien, England und USA als Skizzen entstanden. Im Atelier wurden sie zum Anlass von Malerei benutzt, erfuhren aber in ihrer Gestaltung malerisch eine eigene Dynamik, indem Farbe und Form nur teilweise noch am Motiv orientiert waren, um sich an einer Stelle ganz davon zu lösen oder sich ihm wieder vollständig zu nähern.
Die Nähe und Distanz zum Landschaftsmotiv vollzieht sich während des Malprozesses und geht in einen eigenen reflektierten malerischen Akt über mit eigener Berührtheit und unterschiedlichen Schwerpunkten innerhalb der Bildfläche.
Hierbei werden Gestaltungsprinzipien angewandt, die zur Verfremdung oder Reduktion des Dargestellten führen und in ihrer Betrachtung eine neue Natur-Wirklichkeit erfahrbar machen.
       
     
2. Städte - Reisebilder    
  Mit den Städtebildern bzw. Reisebildern begann eine Themenserie, die den Schwerpunkt nicht auf Stadtansichten legte, sondern vielmehr wie z.B. bei den New York-Bildern das Phänomen der Spiegelung in den Scheiben der Wolkenkratzer zu realisieren versuchte und dabei eine malerische Herausforderung entstand.
Die Bilder zeigen Ausschnitte von gigantischen Hochhäusern, deren Glasfassaden nicht nur das sich stets verändernde Licht, den Himmel, die Wolken und benachbarte Gebäude widerspiegeln, sondern auch eigene faszinierende Welten bilden.
Auch andere Städtebilder zeigen Erlebtes, Erfahrenes, Entdecktes in Ausschnitten, subjektive teils flüchtige Eindrücke und Stimmungen von einem Ort, von seinen Menschen, von seiner Farbigkeit und Vielfalt, in seiner Fremdheit, auch Vertrautheit - seiner Lebendigkeit und Stille sowie mit seinen hellen und dunklen Seiten in unterschiedlicher Ausstrahlung.
       
     
3. Wasserbilder    
  Neben Landschaftsbildern nimmt auch die Serie von groß- und kleinformatigen Wasserbildern einen großen Raum im künstlerischen Schaffen von Dagmar Winkler ein. Wasser ist nicht nur Konsummittel, es ist auch ein Teil eines diffizilen ökologischen Gefüges, in das der Mensch biologisch sowie mental eingebunden ist. Wasser spielt in Symbolik und Selbstgefühl des Menschen eine überragende Rolle. Allein die vielfältigen Erscheinungsweisen des Wassers geben Anlass zu unterschiedlichsten Wahrnehmungen, Stimmungen und malerischen Interpretationen.
Lange Jahre schon und bis heute lässt mich das Thema "Wasser" nicht los. Es begann mit einem Auftrag von den Stadtwerken Düsseldorf. Seitdem entwickelte sich ein unerschöpflicher künstlerischer Antrieb zu diesem Thema. Viele verschiedene Begegnungen, Zustände, Gedanken, Eindrücke, Erlebnisse, die mich emotional, rational oder bildnerisch angesprochen oder auch berührt haben, negativ wie positiv, wurden ausschnittweise wiedergegeben.
Das Wasser als ein ewig sich bewegendes fließendes lebendiges Element fordert auch zu einer immer wieder neu zu entdeckenden veränderbaren, malerischen Aktion heraus, die sich bis zu einer Farbekstase steigern kann.
       
     
4. Menschen - Akte - Portraits    
 

Die Werkgruppe "Menschen" schließt Akte und Portraits mit ein und beschäftigt sich mit dem Menschen als Individuum. Der Mensch erscheint in seinem persönlichen Umfeld, in seiner Befindlichkeit, manchmal auch in fiktiven Räumen, die das, was er vertritt, was er repräsentiert, was er fühlt, womit er sich auseinandersetzt unterstreichen und verstärken soll.
Die Menschenbilder sind schonungslos dargestellt, sind nicht geschönt, sind ehrlich, legen offen und versuchen zum Kern der Seele vorzudringen in einer positiven Einstellung zum Menschen.

Die Personen für eine Portraitreihe werden bewusst ausgesucht. Die Auswahlkriterien sind schwer definierbar, es muss eine Neugierde und Spannung sowie auch Vertrauen zwischen Modell und Künstlerin entstehen. Nur auf diese Weise kann es zu einem kreativen malerischen Prozess kommen. Während des Skizzierens und des Malvorgangs im Atelier baut sich in der Regel eine Vertrautheit zum Gegenüber auf, die es erleichtert, einen Zugang zu ihm zu finden, es in seiner Einzigartigkeit zu erfassen, um es dann auf eine persönliche Weise durch eine starke Farbigkeit, in seiner Lebendigkeit auf die Leinwand zu bringen. Dabei ist das Ringen um Farben, Linien und Formen ein Kampf zwischen Sehen und Empfinden und schließlich Entscheiden.

       
     
5. Genüsse    
 

Die Genussbilder, wozu auch die Früchtebilder gehören, stellen dar, womit der Mensch sich zeitweise gerne umgibt, was ihm Lebensfreude verschafft, eine Verschnaufpause gönnt, ihn vom Alltag ablenkt, ihn verweilen lässt und was ihn auf etwas ganz Wertvolles im Leben hinweist: Zeit.

Ein Stück Kuchen, eine Tasse Capuccino, ein Obststück, ein Glas Wein oder ein Eisbecher können den Betrachter einfach nur verführen. Sie können ihn die sinnliche Seite der alltäglichen Dinge erfahren lassen. Es können aber auch Erinnerungen an ein schönes Erlebnis oder an einen schönen Ort, vielleicht auch gar Bedürfnisse in ihm wachgerufen werden. Die Genussbilder bekennen sich zu einem Genuss an Farben und zu einem spielerischen Umgang mit diesen. Während des Malprozesses werden die Bildgegenstände teilweise verfremdet, in ihrer Farbigkeit übersteigert, ohne dabei den Bezug zum realen Gegenstand zu verlieren.
Die Farbigkeit der Bilder spiegelt die vielfältigen Farben unseres Alltags wider in immer neuen Variationen und Facetten.
Die Genüsse werden also Malerei - aber kann nicht auch Malerei zum sinnlichen Genuss werden?

       
     
6. Tiere - Libellen - Schildkröten    
  Die "Libellen" umfassen unter der Werkgruppe "Tierwelt" die größte Anzahl an Arbeiten, neben Schildkröten und Wölfen. Die Libellenbilder haben sich aus dem Themenkreis "Wasser" entwickelt.
Durch intensive Beobachtungen an Seen und Bächen entstanden zunächst Skizzen und Farbstudien bis die Neugierde und das Interesse an den Libellen sich so steigerte, dass sie als Bildmotiv einen immer größeren Raum einnahmen. Die bunt schillernden Insekten fanden sich auf großen Leinwänden wieder. Ihre überdimensionale Größe wurde bewusst gewählt, um ihre Zartheit, ihre farbige Vielfalt und Schönheit sowie ihre Verletzlichkeit zu offenbaren. Libellen sind ähnlich wie u.a. Schildkröten bedroht durch uns Menschen - es gilt sie zu schützen und ihren Lebensraum zu erhalten.
Indem die Libellen sowohl auf großformatigen Leinwänden als auch auf großen transparenten Acrylscheiben gezeigt werden, können sie bedrohlich, fast gefährlich anmuten. Sie werden teilweise in den Bildern aus ihrem natürlichen Umfeld herausgelöst und in einen neuen Bezug gesetzt. So erscheint die Libelle als mächtig und bedeutungsvoll, vielleicht sogar als wehrbar. Man kann sie nicht mehr übersehen, und vielleicht nimmt man sie bewusster wahr, respektiert sie und erkennt ihre Wichtigkeit und Schönheit.
       
     
7. Dinge des Alltags    
  Die Werkgruppe "Dinge des Alltags" zeigt Bildmotive, Situationen, die aus dem direkten Umfeld der Künstlerin oder anderer Personen kommen. Es sind Dinge wie Stühle, Staubsauger, Tische mit Obst, Waschbecken, Kleidungsstücke, Kinderspielzeug, die jedem vertraut sind und dennoch teilweise fremd wirken. Die Farbgebung ist ausdrucksstark, leuchtend ohne aufdringlich zu wirken. Die Bilder haben dadurch eine fröhliche unbeschwerte Ausstrahlung, können aber auch eine melancholische Seite zeigen. Sie werfen Fragen auf bzw. wecken Assoziationen.
In den Arbeiten kommt der Mensch zwar direkt nicht vor, aber seine Gegenwart ist dennoch fühlbar, da er Spuren hinterlassen hat, die für kurze Zeit am Ort zurückgelassen wurden, um gleich wieder aufgenommen zu werden. Es sind Momentaufnahmen eines bunt gelebten Alltags. Die Gegenstandstreue der Dinge ist relativ hoch, dennoch wird durch das Spiel mit Licht und Schatten und einer leuchtenden kontrastreichen Farbigkeit die Dingwelt zu einer eigenständigen Kraft und zum Anlass für eine lustvolle malerische Herausforderung genommen.
       
     
8. Innenräume - Fensterbilder    
  Die Werkserie Innenräume wird immer wieder als Thema aufgegriffen, mal auch unter dem Titel "Fensterbilder". Es geht immer um Räume verschiedenster individueller Gestaltung durch Personen, die darin leben, arbeiten oder wie in einem Hotelzimmer sich nur kurze Zeit darin aufhalten.
Die Faszination dieser Themenreihe besteht darin, immer wieder neue Räume aufzuspüren und zu erkunden und ihre persönliche Ausstrahlung festzuhalten. Neugierig macht auch, was diese Räume über den Menschen, der darin wohnt, verraten oder preisgeben. Mal sind es Räume, die kühl und sachlich gehalten sind, andere haben eine sehr persönliche, warme Gestaltung erfahren. Ein Hotelzimmer, das sachlich funktional eingerichtet ist, steht dabei im Gegensatz zu einem chaotischen Kinderzimmer, in dem Spielzeug und Kleidung herumliegt.
Mit dem Versuch, Räume auf die Leinwand zu bringen, wird immer auch eine gewisse Intimität vermittelt, ohne voyeuristisch zu sein. In Räumen wird gelebt, geliebt, gelacht, geweint, gelitten. Es werden Assoziationen, Erinnerungen, vielleicht auch Wünsche geweckt, vieles wird angedeutet, anderes weggelassen und malerische und erzählende Momente einander ergänzt.
       
     
9. Jahresbilder ab 1985    
  Die Jahresbilder sind eine Serie von Arbeiten im Format 140x40 cm auf Leinwand, die im Jahre 1985 begann und jedes Jahr um 1 Bild erweitert wurde.
Sehr unterschiedliche Themen entstanden, immer zu einem bestimmten Anlass, durch eine Situation, ein Ereignis, eine Idee, durch etwas, was persönlich berührte, womit man sich beschäftigte, was schockierte oder beeindruckte und auch begeisterte.
Es sind Bilder mit biografischen Zügen und einer persönlichen Stellungnahme.